Anschaffung von Leopardgeckos

Schritt 3: Wo soll ich meine Leopardgeckos kaufen?

Wahrscheinlich können es die meisten zukünftigen Halterinnen und Halter kaum erwarten und möchten ihre Schützlinge möglichst bald erwerben. Eines vorweg: Ein seriöser Züchter wird Ihnen die Möglichkeit geben, ihre gewünschten Tiere eine Zeit lang zu reservieren. Lassen Sie sich unter keinen Umständen zu einem Kauf drängen. Sollten Sie dennoch zu einem Kauf gedrängt werden - mit welchen Argumenten auch immer - ist es wohl besser, die Finger davon zu lassen.

 

Sie können Leopardgeckos auf verschiedenen Wegen erwerben: Es finden in regelmässigen Abständen Reptilienbörsen statt, wo private und kommerzielle Anbieter ihre Tiere sowie Zubehör verkaufen. Auch im Internet findet man schnell diverse Kleinanzeigen. Natürlich gibt es auch private Züchter, die ihre Tiere auf eigenen Webseiten anbieten. Und nicht zuletzt werden Leopardgeckos und andere Reptilien auch in diversen Zoofachhandlungen angeboten. Alle Varianten haben Vor- und Nachteile. Nachfolgend werden diese kurz erläutert.

Hinweis: Unter Gesundheit finden Sie eine Checkliste, um den Gesundheitszustand von Leopardgeckos optisch einschätzen zu können!

 

Wichtig zu wissen: Falls Sie Ihre Tiere im Ausland erwerben, benötigen Sie für die legale Einfuhr in die Schweiz eine Einfuhrbewilligung des BLV (Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen)!

 

 

Reptilienbörsen

Reptilienbörsen finden regelmässig in ganz Europa statt und können eine tolle Gelegenheit sein, sich über Leopardgeckos zu informieren und im persönlichen Gespräch Kontakte zu Züchtern zu knüpfen. Ab und an verabreden sich Käufer und Verkäufer auch an einer Reptilienbörse, um ein Tier zu übergeben. Gerade wenn der Anfahrtsweg zum Züchter sehr weit ist, kann eine Börse eine ideale Übergabegelegenheit sein.

Aber: Reptilienbörsen bergen gerade für Anfänger auch Gefahren! Einerseits kann sich jeder als Verkäufer bei einer solchen Börse anmelden und einen Stand mieten. Da Leopardgeckos nicht sonderlich schwierig zu züchten sind, finden sich unter den Ausstellern auch Leute, die selbst noch fast keine Erfahrung in der Haltung dieser Reptilien haben.

Baselbieter Reptilienbörse in Lausen (2014)

Baselbieter Reptilienbörse in Lausen (2014)

Baselbieter Reptilienbörse in Lausen (2014)

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Reptilienbörsen können eine sehr gute Gelegenheit für  Informationsaustausch und Anschaffung von Zubehör und Geckos sein. Sie bergen allerdings auch Gefahren.

 

Bilder mit freundlicher Genehmigung von:

M. & C. Borer (BoaPython.ch)

Ein (leider wahres) Beispiel:

 

Bianka N. kauft auf einer Reptilienbörse im März ein Trio ausgewachsene Leopardgeckos, ein Männchen und zwei Weibchen. An derselben Börse kauft sie sich auch gleich ein günstiges Holzterrarium sowie diverse Einrichtungsgegenstände.

Schon im April findet Bianka plötzlich zwei Eier im Terrarium. Was für ein Glück! Schnell organisiert sie sich einen günstigen Brutkasten im Internet und beginnt mit der Zeitigung der Eier. Mitte Juni schlüpfen dann die ersten Jungtiere. Im September hat sie bereits acht Leopardgecko-Babys zuhause. Da sie in diversen Internetforen gelesen hat, dass sie die Jungtiere im Alter von rund drei Monaten abgeben kann, reserviert sie sich einen Stand an einer Reptilienbörse. Da Bianka langsam aber sicher Platzmangel in ihrer Wohnung hat, muss sie die Tiere unbedingt verkaufen können und macht den Interessenten daher einen günstigen Preis: CHF 30.00 pro Tier. Bianka ist ein grosser Tierfreund und versucht, ihre Kunden mit bestem Wissen - welches sie allerdings selbst nur bedingt hat - zu beraten. 

Was nun folgt, dürfte dem Leser dieser kurzen Geschichte wohl klar sein: Natürlich verliebt sich das Töchterchen von Familie Meier in die süssen kleinen Leopardgeckos. Und bei dem unschlagbar günstigen Preis kann auch Herr Meier nicht "Nein" sagen. Nach wenigen Wochen beginnt der erste Leopardgecko seltsam zu zittern und nach kurzer Zeit kann er sich kaum noch auf den Beinchen halten. Diagnose: Rachitis (Erkrankung des wachsenden Knochens durch fehlendes Kalzium oder Vitamin D3). Zwei der drei Geckos sterben, einer überlebt.

 

Diese Geschichte, welche sich übrigens genau so abgespielt hat, ist keine Seltenheit. An fast jeder Börse werden Tiere angeboten, die ich persönlich niemals erwerben würde, weil sie schlicht und einfach nicht gesund, bis hin zu todkrank sind. Tragischerweise fällt es mir bei manchen Fällen schwer zu glauben, dass die jeweiligen Züchterinnen und Züchter dies selbst nicht erkennen...

Auch werden oft viel zu kleine Tiere angeboten. Bei jungen Leopardgeckos spielt das Alter eine untergeordnete Rolle! Wichtig für den Kaufentscheid ist die Grösse der Tiere! So kann es sein, dass die Nachzuchten von Züchter A nach drei Monaten rund 12 cm gross sind und die Jungtiere von Züchter B - im gleichen Alter - schon eine Länge von 16 cm aufweisen. 

Somit können auch drei Monate alte Jungtiere zu klein zur Abgabe sein. Diese sind einerseits noch nicht abgabebereit, da ihr Organismus und ihr Immunsystem noch zu anfällig sind. Andererseits ist bei zu kleinen Leopardgeckos das Geschlecht noch nicht sicher erkennbar. Das Geschlecht der Tiere kann nur aufgrund der Hemipenistaschen sicher bestimmt werden. Manche Männchen bilden diese erst spät aus, sodass sie anfangs noch wie ein Weibchen aussehen.

Die Geschlechtsbestimmung über die Bruttemperatur ist übrigens absolut keine Garantie für das Geschlecht! Dieser Punkt ist mir persönlich extrem wichtig. Sie ahnen ja nicht, wie viele Emails ich bezüglich dieser Problematik erhalte. Ich selbst gebe meine Tiere grundsätzlich erst ab einer Gesamtlänge von 15 bis 17 cm ab.

 

 

Zoofachhandel

Der Leopardgecko wird von vielen als ideales "Einsteiger-Reptil" bezeichnet. So verwundert es nicht, dass er auch in diversen Zoofachhandlungen anzutreffen ist. Im Internet wird oft vom Kauf in Zoofachhandlungen abgeraten, da das Risiko, ein krankes Tier zu erwerben, zu hoch sei und das Pflegepersonal nur über mangelnde Kenntnisse verfüge und selbst beinahe etwas überfordert sei. 

Als langjähriger Halter und Züchter diverser Reptilien kann ich diesem Vorurteil nur bedingt zustimmen. Viele Zoofachhandlungen und gerade Zoofachketten (in der Schweiz) haben sich in den letzten Jahren enorm verbessert und bieten mittlerweile meist vitale Nachzuchten an. Aber selbstverständlich steht und fällt alles mit den Fachkenntnissen des Personals. So kann es sein, dass Sie in der einen Filiale eine Top-Beratung erhalten; vielleicht sogar besser als bei manch einem Hobbyzüchter. In einer anderen Filiale der selben Unternehmung ist die Beratung hingegen nicht nur mangelhaft, sondern gar katastrophal schlecht und falsch. 

Wenn Sie Ihre Geckos in einer Zoofachhandlung erwerben möchten, wird Ihnen wohl oder übel nichts anderes übrig bleiben, als selbst zu entscheiden, ob sie der Filiale/dem Personal vertrauen oder nicht. Wer sich vorab schon etwas über die Biologie der Tiere informiert hat, wird sicherlich einen grossen Vorteil haben und die fachliche Beratung und Kompetenz sowie den Gesundheitszustand der Tiere besser einschätzen können.

Privatpersonen und kommerzielle Züchter

Ähnliches wie für den Zoofachhandel gilt auch für private Züchter. Sie werden auf diversen Plattformen im Internet oder in Zeitschriften zahlreiche Anbieter für Leopardgeckos finden. Auch hier gibt es Züchter, die eine vorbildliche Aufklärungsarbeit leisten und sich für Ihre Fragen wirklich Zeit nehmen, während andere es am liebsten sähen, wenn Sie die Tiere so schnell wie möglich kommentarlos an der Haustüre abholen würden. 

Begutachten Sie die Tiere, checken Sie den optischen Gesamteindruck und vertrauen Sie auch hier auf Ihr erworbenes Wissen und letztlich auch auf Ihr Bauchgefühl. 

Ein guter Indikator kann dabei auch der Erfahrungswert des Züchters/der Züchterin sein. Normalerweise wird Sie ein erfahrener Züchter besser informieren können als jemand, der erst seit Kurzem Leopardgeckos nachzüchtet. Stellen Sie möglichst viele Fragen zu den Tieren und den Haltungsbedingungen. Stellen Sie sicher, dass der Züchter/die Züchterin auch nach dem Erwerb Ihrer Leopardgeckos für Fragen zur Verfügung steht. Dies ist leider nicht für alle eine Selbstverständlichkeit. Ein Vorteil eines überschaubaren Landes wie der Schweiz ist ausserdem die Tatsache, dass sich viele Halter und Züchter untereinader kennen. Es kann daher auch nicht schaden, andere Halter auf deren Erfahrungen mit einem Züchter oder einer Züchterin anzusprechen. Gerade auf Sozialen Medien findet man schnell Kontakte zu anderen Haltern und Züchtern.

Und weil es so wichtig ist, sei es auch hier nochmals erwähnt: Kaufen Sie keine zu kleinen Tiere (siehe Reptilienbörsen)!